Was ist ein MOOC?

Die Abkürzung MOOC beschreibt eine offene Kursform, die derzeit im internationalen wissenschaftlichen Diskurs wie auch in zahlreichen Presseveröffentlichungen viel Beachtung erfährt.

Angesichts der dynamischen Thematik, erheben die folgenden Ausführungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zudem enthalten sie meine (hoffentlich deutlich von Fakten und den Ansichten Dritter abgegrenzte) Meinung.
Somit gilt: Feedback und Kritik ist willkommen :-) !!!

Die Vier Buchstaben “M O O C” stehen für die vier kennzeichnenden Attribute dieser Kursform:

  • Massive: MOOCs sind technisch und strukturell auf hohe Teilnehmerzahlen ausgerichtet.
  • Open: MOOCs werden offen zugänglich bereitgestellt. Wobei das Attribut “offen” durchaus meist nicht wörtlich zu nehmen ist. Die Teilnahme an einem MOOC ist beispielsweise meist nur nach vorheriger Anmeldung mit einer validen E-Mail Adresse möglich.
  • Online: MOOCs finden online statt. Wobei sich diesbezüglich teilweise Änderungen vollziehen:  So plant beispielsweise der von der Harvard Universität und dem M.I.T ins leben gerufene MOOC – Anbieter edX, eine Partnerschaft mit der Firma Pearson zur Durchführung von (optionalen) zertifikatsrelevanten Kursexamen in “realen” Testzentren, um Plagiatsversuchen entgegenzuwirken.
  • Course: MOOCs besitzen eine Kursstruktur, wobei die Intensität der zeitlichen und inhaltlich-/ thematischen Strukturrierung variiert.

Derzeit existieren zwei Formen von MOOCs, welche sich in Bezug auf ihre lerntheoretische Ausrichtung und die daran anknüpfende zeitliche-, strukturelle- und inhaltliche Umsetzung unterscheiden:

  1. (c)MOOCs
    oder connectivist Massive Open Online Courses: Diese Kursform knüpft an das von George Siemens und Stephen Downes maßgeblich entwickelte Konzept des Konnektivismus an, dem zufolge (hier stark verkürtzt wiedergegeben) sich Lernprozesse im digitalen Zeitalter drastisch verändern: Aufgrund seiner Dynamik kann Wissen nicht mehr einmalig und langfristig als Reservoir von Lernenden verinnerlicht werden. Wissen ist nach dieser Auffassung heute stetigen Ergänzungen und Veränderungen unterworfen. Zudem werden die Zyklen, während derer einmal als richtig erachtete Informationen ihre Gültigkeit verlieren, zunehmend kürzer. Die Lernenden stehen vor der Herausforderung, Informatonsquellen oder spezialisierte Knotenpunkte, die über Netzwerke verteilt sind,  je nach Lernintention zu sinnvollem und relevantem Wissen zu verknüpfen (Siemens, 2005: Connectivism:A Learning Theory for the Digital Age).
    Demensprechend fnden (c)MOOCs auch nicht auf einer in sich geschlossenen Kursplattform statt. Diese dient mit der Vorgabe einer groben zeitlichen und thematischen Struktur und punktuell zur Verfügung gestellten Expertisen vielmenr als Ausgangspunkt für die diskursive Erarbeitung von Lerninhalten unter Nutzung dezentral über das Internet verteilter Web 2.0 Werkzeuge und -Plattformen, wie z.B Blogposts, Twitterposts, Online-Videos etc. .
    Somit ist auch das Lernziel in (c)MOOCs nicht von vornherein exakt determiniert, sondern wird (idealer Weise) von den Lernenden auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse im Laufe des Lernprozesses herausgearbeitet. Für den sog. “changemooc.ca” haben die Organisatoren (u.a. Siemens und Downes) 4 Prinzipien für einen idealen Lernprozess in einem (c)MOOC aufgestellt:

    • Aggrgate: Die Lernenden sollen und können nicht alle Beiträge des Kurses rezipieren. Vielmehr sollen sie die für sie jeweils interessanten und relevanten Inhalte lesen, ansehen, anhören.
    • Remix: Die rezipierten Inhalte bzw. die Online-Zugänge (URLs) zu selbigen sollten dokumentiert und idealer Weise online archiviert werden, um sie mit anderen teilen zu können. Dies kann bspw. im Wege eines Blogs oder Twitter-Accounts geschen.
    • Repurpose: Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sollten eigene Inhalte (z.B. gedankliche Schlüsse, neu-gewonnene Ein- und Ansichten) generiert werden. Dies stellt die eigentliche zentrale Lernleistung im Rahmen eines (c)MOOCs dar: Das Entstehen eigener kreativer Ergebnisse im Verlauf des Kurses.
    • Feed Forward: schliesslich sollten auch diese eigenen “Leistungen” mit anderen MOOC-Teilnehmern aber auch darüber hinaus geteilt werden.

    Angesichts der teils unüberschaubaren Flut an dezentral über das Internet verteilten Informationen, die im Laufe eines (c)MOOCs enstehen kann, ist eine nachhaltige Teilnahme mit Anforderungen an die Medienkompetenzen der Teilnehmer verbunden. Häufig zeigt sich, dass die Zahl der aktiven Teilnehmer sehr viel geringer ist, als diejenige der passiven “Zaungäste”. Auch zeigt sich, dass die Zahl der (in Ermangelung entsprechender Kompetenzen) zur Passivität “verurteilten” Teilnehmer im Kursverlauf eklatant sinken kann (Vgl. z.B. die Folien zur Auswertung des #opco11 – Die Zukunft des Lernens von Claudia Bremer).
    Sicherlich sind in diesem Zusammenhang Übungsblogs und Übungswikis innerhalb einer (c)MOOC-Kursplattform hilfreich. Entscheident für die Zahl nachaltig partizipierender- und damit letztendlich zufriedener Teilnehmer ist jedoch das Maß bzw. die Intensität, welche aufgewendet wird, um auch Teilnehmer mit weniger ausgeprägten Medienkompetenzen zu unterstützen. Zur Realisierung nachhaltiger Lernprozesse für möglichst viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen innerhalb eines (c)MOOCs ist es deshalb z.B. förderlich, wenn nicht gar zwingend, dass sich die Betreuenden, aber auch versiertere Teilnehmer und Teilnehmerinnen zuweilen gedanklich “auf eine Metaebene begeben” und auch diejenigen Funktionen und Werkzeuge unaufgeregt und allgemeinverständlich erläutern, welche sie evtl. bereits als selbstverständliches Wissensinstrumentarium verinnerlicht haben: Evtl. traut sich nicht  jeder Neuling in Sachen Web 2.0 nachzufragen, was z.B. der oft recht nonchalont gebrauchte Begriff “Hashtag” eigentlich besagt und welche Wirkungsweise die zugrundeliegende Technologie entfaltet.

  2. (x)MOOCs
    sind i.d.R. Kurse, mitels derer etablierte Hochschulen Inhalte aus ihren Präsenzkursen der breiten Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stellen. (x)MOOCs besitzen ein fest determiniertes Curriculum zur Vermittlung vorgegebener Lerninhalte. Die technische Umsetzung und didaktische Präsentation variieren dabei z.T. erheblich zwischen den unterschiedlichen Anbietern. Sie reichen von der bloßen Bereitstellung aufgezeichneter Vorlesungen und flankierender Skripte, welche ohne vorherige Anmeldung heruntergeladen und unter den Bedingungen der Creative Commons Lizensierungsvariante “CC-BY”  durch andere Lehrende in andren Lehr-/ Lernkontexten (im Sinne einer eng gefassten Definition von Open Educational Ressourses) wiederwendet werden dürfen, wie z.B. Stanford Engeneering Everywhere (SEE), der Stanford Universität, bis zu Online-Kursen mit komplexen Kursinterfaces und kleinschrittig sequenzierten Vorlesungen, welche speziell für die Online-Rezeption erstellt und optimiert werden, wie z.B. edX. Letztere Plattform bietet zudem im Rahmen ihrer technischen Kurse teils aufwändig programmierte interaktive Übungen und Simulationen.
    Kritiker werfen dieser Kursform zuweilen eine Didaktik nach behavioristischem Muster vor. Sicherlich wies z.B. ein von mir eingehend gesichteter edX Kurs mit dem Titel “MITx: 6.002x Circuits and Electronics” eine kleinschrittige Aufbereitung der Inhalte, flankiert von extern auf die Teilnehmer einwirkendem Prüfungsdruck auf … weil eben diese Form der Didaktik u.a. auch kennzeichnend für den Präsenzunterricht der verantwortenden Universität im Besonderen und kennzeichnend für den Präsenzunterricht vieler US-amerikanischer Elite-Universitäten im Allgemeinen ist.
    Kritisch sind (x)MOOCs zu werten, wenn sie als Instrumet zur Kostensenkung von Präsenzbildung genutzt werden. Ferner ist es bedenklich, dass mittlerweile auch edX, als gemeinnütziger (x)MOOC-Anbieter plant, Lerndaten von Teilnehmern zur Finanzierung bzw. Gewinnerziehlung an Dritte, wie z.B. Bildungsverlage oder Arbeitgeber zu veräußern. Die Website “What You Need to Know About MOOCs” des Chronicle of Higher Education, bietet in Form einer Zeitleiste zahlreiche Nachrichten und Fachbeiträge  (haupsächlich) zu (x)MOOCs aus dem englischen Sprachraum.

Trotz aller Kritik wohnen diesen beiden jungen und dynamischen Kursformen meines Erachtens nachhaltige Potentiale für offene Bildungsstrukturen inne:

  • (c)MOOCs bieten meiner Ansicht nach Raum zur kollaborativen Erarbeitung und Fortentwicklung von Wissen. Sie bieten die Möglichkeit eines Diskurses über Fachbereichs- und institutionelle Grenzen hinweg und somit nicht zuletzt das Potential zur Generierung von Innovationen.
  • (x)MOOCs erleichtern den Zugang zu teils hochspezialisiertem Wissen. Nach der Sichtung des edX Kurses bin ich für meinen Teil zumindest einen Schritt weiter auf dem Weg zur Erkenntniss dessen, was sich in meinem Smartphone in technischer Hinsicht abspielt.
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